Hallo Leute,

heute hab ich wieder einmal einen wirklich lesenswerten Artikel zum Thema “Fotowissen von A-Z” für euch. Aus vielen Fragen von euch weiß ich, dass das Thema Autofokus bei vielen ein großes Fragezeichen hinterlässt. Ich beantworte in diesem Beitrag alle Fragen dazu.

Autofokus

Der Fokus deiner Kamera legt fest, welches Motiv in deinem Foto scharf abgebildet wird. Beim Autofokus misst die Kamera dabei die Entfernung und stellt entsprechend dieser Messung scharf.
Natürlich kannst du die Art und Weise wie das passiert beeinflussen. Dabei solltest du beachten, dass du den AF in Bezug auf dein Motiv anpassen musst.

Aber ist das wirklich alles?

Ergänzend muss angemerkt werden, das die Schärfentiefe natürlich von der gewählten Blenden/Brennweiten-Kombination abhängig ist. Aber das ist heute nicht unser Thema.

Hinweis: Klar ist, das es in diesem Zusammenhang recht große Unterschiede zwischen den einzelnen Kameramodellen gibt. Das führt unweigerlich dazu, dass du dein Handbuch beim Lesen dieses Artikels in Griffweite bereitlegen solltest.
#1 – Allgemeines
Am einfachsten ist das Fokussieren natürlich bei Smartphones und Kameras mit Touchscreen. Du tippst einfach auf den zu fokussierenden Bildteil – fertig. Bei Spiegelreflexkameras (DSLR, für alle die sich das schon immer gefragt haben, das steht für digital single-lens reflex) ohne Touchscreen musst du zum Benutzen des Autofokus deinen Auslöser halb durchdrücken. Damit du stets Herr (oder Frau) der Lage bleibst, solltest du über die nachfolgenden AF-Betriebsarten bescheid wissen.
Also, los geht´s.

#2 – Autofokus Betriebsarten

Eigentlich ist der Autofokus eine Kombination aus AF-Betriebsart, also AF-S (OneShot), AF-C (Servo) oder AF-A (Fokus) und den Messfeldern. Auf beides möchte ich jetzt näher eingehen. Fangen wir mit den AF-Betriebsarten an.

AF-S (Nikon) – OneShot (Canon)

Dieser Fokus ist für Objekte gedacht, die sich nicht – oder zumindest nur sehr wenig – bewegen. Bei halb durchgedrücktem Auslöser stellt die Kamera einmal scharf und speichert den Fokus bis zum Auslösen. Ist die Einzelfeldmessung einmal aktiviert, kannst du ein rechteckiges Messfeld im Sucher erkennen. Dieses kann durch die Richtungstasten an der Rückseite deiner Kamera verschoben werden. Alternativ kannst du auch immer über den Mittelpunkt fokussieren, den Auslöser halb durchgedrückt halten, danach deinen Bildausschnitt wählen und schließlich auslösen.

Mein Tipp: Bei Canon Kameras musst du zuerst eine Taste drücken, um eine versehentliche Verschiebung zu verhindern. Bei Nikon Kameras ist es umgekehrt – natürlich 😉 Standardmäßig ist das Verschieben aktiv, kann aber mit dem L-Schalter gesperrt werden. Die OK Taste setzt den Fokuspunkt zurück in die mittlere Position.

AF-C (Nikon) – AI-SERVO (Canon)

Wählst du diese Betriebsrat passiert folgendes: Drückst du den Auslöser halb durch, stellt die Kamera natürlich genau wie beim AF-S Modus scharf. Allerdings werden laufend – solange der Auslöser halb durchgedrückt bleibt – weitere Messungen von der Kamera vorgenommen. Das führt dazu, dass bei bewegten Objekten der Fokus nachgeführt wird. Dieses Nachführen basiert auf Vorausberechnungen, damit beim Auslösen der Fokus immer noch auf dem angenommenen Ort des Objekts liegt. Dieser Modus eignet sich damit natürlich bestens für die Sportfotografie.

Mein Tipp: Um die Reaktionszeit spürbar zu verkürzen lohnt es sich, die Anzahl der Messfelder zu reduzieren. Natürlich ist auch das 3D-Tracking hilfreich, bei dem die Automatik versucht, ein bewegtes Objekt ständig im Fokus zu halten.

Außerdem lohnt es sich für diese Art der Fotografie auf den sogenannten Backbutton-Fokus umzuschalten. Grob umrissen wird dabei der Button zum Fokussieren vom Auslöser getrennt.

AF-A (Nikon) – AI-Fokus (Canon)

Bei dieser Betriebsart schaltet deine Kamera automatisch zwischen dem Einzel-AF und dem kontinuierlichen AF um, sobald sich ein Objekt zu bewegen beginnt.

#3 – Autofokus Messfelder

In den Werkseinstellungen ist deine Kamera so eingestellt, dass sie automatisch bestimmt, welcher Bildteil scharf sein soll. Du kannst dir denken, dass das eine denkbar schlechte Idee ist, außer natürlich du hast wenig Zeit auszulösen und die zu fotografierende Situation ändert sich laufend.

Grundsätzlich lassen sich die die vielen, über das Bildfeld verteilten Messfelder einzeln oder in Gruppen aktivieren. Dabei fokussiert die Kamera immer auf das Objekt, das in einem der aktivierten Messfelder liegt.

Bei der automatischen Messfeldwahl und dem 3D-Tracking erkennt die Kamera, wenn sich das fokussierte Objekt aus einem AF-Feld in ein anderes bewegt und schaltet entsprechend um. Für Objekte, die sich wenig oder gar nicht bewegen und somit gut fokussieren lassen, ist ein einzelnes Messfeld (Spotmessung) oder aber eine kleine Messfeldgruppe bestens geeignet.

#4 – AF-Priorität

Einfach gesagt bestimmst du mit der AF-Priorität, ob die Kamera tut was du willst, oder ihre eigenen Entscheidungen trifft. Willst du entscheiden, dann ist die Auslösepriorität das Mittel der Wahl. Soll erst nach erfolgreicher Fokussierung ausgelöst werden, solltest du die Einstellung Schärfepriorität wählen. Bist du stolzer Besitzer einer Canon Kamera, dann kannst du dieses Verhalten für das erste und alle weiteren Bilder einer Serie getrennt einstellen.

Bonustipp: Bei den Spitzenmodellen von Canon wie zB der EOS 5D MK III oder aber der EOS 7D MK II kannst du die Funktionsweise des AF an unterschiedliche Situationen gezielt anpassen. Im Canon AF-Menü gibt es dazu sechs von Canon voreingestellte “Fälle” – die sogenannten Cases. Jeder dieser Fälle stellt eine Kombination aus Servolenkung-Reaktion, Nachführung bei Beschleunigung/Verzögerung und AF-Feld-Nachführung dar.

AI Servo Reaktion

Diese Einstellung legt das Verhalten für den Fall fest, dass ein “Hindernis” in die aktiven Messfelder kommt, oder die Messfelder vom Motiv abweichen. Mit negativen Werten lässt sich der Fokus dabei nicht so schnell irritieren. Allerdings dauert es dafür länger auf ein neues Motiv zu fokussieren.

Nachführung bei Beschleunigung/Verzögerung

Hiermit steuerst du die Reaktion des AF auf plötzliche Bewegungsänderungen deines Motivs in Relation zur Kamera. Je höher dabei der Wert ist, desto besser reagiert der Fokus auf Geschwindigkeitsänderungen. Aber Achtung, dadurch lässt sich der Fokus auch leichter von kleinen Bewegungen “ablenken”.

AF-Feld Nachführung

Diese Einstellung legt fest, wie schnell deine Kamera von einem AF-Feld auf ein benachbartes wechselt, wenn sich dein Motiv aus dem Messbereich bewegt. Höhere Werte führen dabei dazu, dass dies schneller passiert. Damit steigt aber auch die Gefahr, dass durch ins Bild kommende Vordergrund- oder Hintergrunddetails dein Motiv ganz aus dem Fokus verloren wird.

So, jetzt bist du bestens gerüstet und kannst in jeder Situation superscharfe Bilder machen.

Viel Spaß beim Ausprobieren,
Christian

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

%d Bloggern gefällt das: