20 Fragen, die du dir beim Fotografieren stellen solltest…

Vorab muss ich ein paar Dinge klarstellen. Diese 20 Fragen können deine Fotografie deutlich verbessern. Sie sind wie ein Trainingsplan zu sehen, den du einsetzt wenn du das Fotografieren trainierst! NATÜRLICH sollst du weiterhin Schnappschüsse machen, tolle Momente und vergessliche Erinnerungen festhalten. ABER immer wenn du im „Trainingsmodus“ bist, denk an diese 20 Fragen. Sie sind vor allem für Landschafts-, Detail und Urlaubsfotografie gedacht. So, jetzt aber genug geschwafelt – es geht los…

#01 Hast du gutes Licht?

Eines der wichtigsten Kriterien für gute Fotos ist das richtige Licht. Begriffe wie goldene Stunde oder blaue Stunde hast du bestimmt schon oft gehört.

Goldene Stunde:

Als goldene Stunde wird die Zeit nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang bezeichnet.
Da die Sonne dabei im spitzen Winkel auf die Erde fällt, wird das Licht abgeschwächt und nimmt eine rötliche, warme Farbe an.

Blaue Stunde:

Dieser Begriff bezieht sich auf die besondere Färbung des Himmels während der Zeit der Dämmerung nach Sonnenuntergang und vor Eintritt der nächtlichen Dunkelheit

Die besten Zeiten zum Fotografieren sind also rund um den Sonnenauf- beziehungsweise -untergang.

#02 Hast du die richtige Entfernung zum Objekt?

Meistens lautet die Antwort auf diese Frage „da nehm ich einfach das richtige Objektiv, dann klappts auch mit der Entfernung“. Das stimmt nur begrenzt. Die richtige Herangehensweise ist meiner Meinung nach genau anders rum. Also „hab ich die richtige Entfernung zum Objekt für das Objektiv, dass ich gerne einsetzten würde.“

#03 Hast du die richtige Blende?

Fotografierst du weitwinkelig und willst dein Bild von vorne bis hinten richtig scharf haben, dann wähle eine eher geschlossene Blende – ich würd mal sagen Blende 11 oder 13. Bist du nah an deinem Objekt und möchtest mit Schärfentiefe arbeiten, dann fotografiere offenblendig, also mit möglichst kleiner Blendenzahl (zB 2,8 oder 3,5).

#04 Ist dein Bildausschnitt interessant?

Überprüfe beim Blick durch den Suche den Bildausschnitt. Frag dich dabei ob der von dir gewählte Ausschnitt spannend und interessant ist. Und wenn du dir nicht sicher bist, versuch mehrere Ausschnitte.

#05 Ist deine Perspektive spannend?

Bildausschnitt und Perspektive gehen Hand in Hand. Es ist einfach schwerer einen interessanten Bildausschnitt aus einer langweiligen Perspektive zu fotografieren als aus einer spannenden. Als Faustregel kannst du dir merken, dass alles spannender ist als aus „Augenhöhe“ zu fotografieren 😉

#06 Hat dein Bild eine Geschichte?

Eine der wesentlichsten Fragen, die deine Fotos ganz schnell besser machen. Wichtig dabei ist, dass die Geschichte eindeutig sein muss, also so, dass nicht DU sie erzählen musst, sondern dein Foto für sich spricht. Das wird um einiges leichter, wenn du einen interessanten Bildausschnitt gewählt hast.

#07 Gibt es EINEN Hauptdarsteller?

Noch eindeutiger wird deine Geschichte wenn es einen eindeutigen Hauptdarsteller gibt. Stelle diesen in den Mittelpunkt deines Bildes. Natürlich nicht wörtlich, aber im übertragenen Sinn. Hilfsmittel dazu sind Positionierung im Bild, Bildausschnitt, Blende – also Schärfentiefe, aber auch das Freistellen. Dabei musst du darauf achten, dass der von dir bestimmte Hauptdarsteller von keinen anderen Objekten verdeckt wird, aber auch einen klaren Hintergrund hat.

#08 Hast du an die Drittelregel gedacht?

Frag dich an dieser Stelle, ob du an die Drittelregel gedacht hast. Natürlich gibt es unzählige Kompositionsregeln, aber die Drittelregel ist der einfachste Weg zu einem interessanten Bild. Aber Achtung, jetzt wird’s wichtig. An dieser Stelle darfst du dich natürlich auch gegen die Drittelregel entscheiden – dann aber aktiv und nicht zufällig. Wenn du zum Beispiel Symmetrie zeigen möchtest ist die Drittelregel nicht unbedingt hilfreich. Aber vergiss nicht, du kannst dich nur gegen etwas entscheiden, wenn du es zuerst überhaupt in Betracht gezogen hast.

Lerne die Regeln wie ein Profi, damit du sie brechen kannst wie ein Künstler. – Pablo Picasso

#09 Ist der Himmel spannend?

Eine Fragestellung, die dir das Anwenden der Drittelregel leichter macht. Ist der Himmel – also eigentlich die Wolken – spannend, dann 2/3 Himmel. Ist dieser eher uninteressant (blau, weiß oder grau) dann reduziere den Himmel auf 1/3. Ganz einfach oder?

#10 Hat dein Bild einen Vordergrund?

Fotos sind zweidimensionale Abbildungen einer dreidimensionalen Welt. Objekte ohne Vordergrund zu fotografieren sorgt für flache Fotos, die keine Tiefe haben und damit „eigenartig“ ja langweilig wirken können. Mit einem Vordergrund sorgst du für ein Element, dass den Betrachter ins Bild führt – dem Bild Tiefe gibt.

#11 Sitzt der Fokus?

Alles was du bis jetzt gemacht hast ist wichtig für ein tolles Foto. Aber scharf sollte es eben auch noch sein… Also überprüfe an dieser Stelle deinen Fokus bzw. überlege worauf du fokussieren willst. Deine Kamera unterstützt dich im Live-View durch die Möglichkeit ins Bild zoomen zu können und erst dann zu fokussieren. Außerdem bietet sie dir unterschiedliche Fokussierten. Dazu hab ich bereits einen sehr ausführlichen Blogbeitrag gestaltet, den du hier nachlesen kannst.

#12 Ist dein Horizont gerade?

Nicht lenkt den Blick des Betrachters so sehr ab wie ein „schiefer“ Horizont. Und ja, du kannst das auch im Nachhinein auf deinem Rechner korrigieren, aber warum nicht gleich bim Fotografieren richtig machen?
Auch hier haben viele Kameras einen virtuellen Horizont, den du einblenden kannst.

#13 Hast du die Bildränder kontrolliert?

Bevor du den Auslöser drückst, kontrolliere die Bildränder! Du hast zu diesem Zeitpunkt alles mögliche gemacht, um deinen Hauptdarsteller perfekt in Szene zu setzten. Wenn du jetzt noch die Ränder checkst, dann steht einem großartigen Bild nicht mehr im Weg – und das im wahrsten Sinne des Wortes… Achte darauf, dass sich keine störenden Objekte an den Rändern ins Bild schleichen! Du wirst sehen, das macht einen bedeutenden Unterschied!

#14 Ist in deinem Bild zuviel los?

Bilder sollen eindeutig sein und für sich sprechen, ja, das haben wir jetzt hinlänglich geklärt. Bilder sollen aber auch angenehmen für den Betrachter sein. Und dafür sorgt Ruhe im Bild. Also kontrolliere jetzt noch einmal, ob in deinem Bild zuviel los ist.

#15 Warst du geduldig genug?

Du hast viel Zeit investiert um alle 14 bisherigen Punkte zu beachten. Aber immer noch ist Geduld gefragt. Warte bis das Licht genau so ist wie du es willst (Sonne hinter Wolken, Position der Wolken, etc.) und bis der Ausschnitt frei ist, also keine Personen, Autos oä im Bild sind.

#16 Scheint der Weißabgleich richtig zu sein?

Wenn du im .raw Format fotografierst, kannst du natürlich auch den Weißabgleich nachträglich so ändern wie direkt an der Kamera. Aber wie gesagt, wir wollen es ja gleich richtig machen. Dabei kannst du den Weißabgleich als künstlerisches Mittel verwenden oder aber akkurat einstellen. In der Produkt- und Peoplefotografie würd ich dir zweiteres empfehlen…

#17 Hast du die Highlight im Griff?

Wenn du dich entscheiden musst – und das musst du oft – dann entscheide dich für ein Bild, dessen Highlights nicht „ausbrennen“. Diese lassen sich in Lightroom und Co viel schwerer wiederherstellen als die Tiefen des Bildes. Auch hier bietet deine Kamera einen Möglichkeit überbelichtete – also rein weiße – Bereich im Bild blinkend hervorzuheben.

Vergiss nicht die Belichtung im Blendenvorwahlmodus mit der Belichtungskorrektur anzupassen.

#18 Würden Filter dein Bild verbessern?

Jetzt ist die Zeit zu überlegen, ob Filter dein Foto verbessern könnten. Polfilter reduzieren Reflexionen, ND-Filter verlängern die Belichtungszeit (Stichwort Langzeitbelichtung) und Verlaufsfilter geben deinen Landschaftsaufnahmen einen – Überraschung – Verlauf 😉

#19 Hast du alles überprüft?

Geht jetzt nochmal die Punkte 1 bis 18 durch und überlege, ob du alles bedacht hast… Wenn ja, abrücken!

#20 Ist dein Bild scharf?

So, geschafft. Du hast viel Zeit in dieses Foto investiert. Belohne dich mit einem scharfen Bild. Es gibt nichts Schlimmeres als erst Zuhause drauf zu kommen, dass dein Bild nicht scharf ist. Dann war nämlich alles umsonst. Also beurteile die Schärfe deines Bildes nicht auf dem Kleien Bildschirm deiner Kamera ohne ins Bild zu zoomen!

Du wirst sehen, wenn du diese Fragen bei jedem Foto durchgehst, werden nicht nur deine Bilder deutlich besser, nein, diese Fragen gehen auch sehr schnell in Fleisch und Blut über und werden automatisch abgefragt.

Vergiss nicht, Schnappschüsse und das Festhalten von einmaligen Momenten und schönen, unvergesslichen Erinnerungen sind natürlich immer noch ganz wichtig und nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. Wenn du aber gezielt das Fotografieren trainierst, weil du dich verbessern willst, dann sind diese 20 Punkte dein Weg zu beeindruckenden Fotos!

Viel Spaß beim Umsetzten!

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