Vielen von euch geht es wahrscheinlich wie mir. Ich liebe es Landschaften zu fotografieren. Das war schon immer so, allerdings war es anfangs mehr Leiden, denn meine Fotos waren – naja, wie sag ich das am besten – furchtbar…
Im laufe der letzen 15 Jahre habe ich – teils schmerzlich – gelernt, worauf es bei der Landschaftsfotografie ankommt.
Meine besten 10 Tipps dazu hab ich in diesem Beitrag für dich niedergeschrieben.

Tipp 1 – das Motiv

Das mag zwar banal und hart klingen, aber wenn du schönere Fotos machen willst stell dich vor schönere Motive! Aus einem häßlichen Entlein wird auch der beste Fotograf der Welt keinen Schwan machen können… Natürlich lassen sich durch Bildkomposition, Technik und harte Arbeit fast überall tolle Fotos machen, aber wenn man sich beispielsweise durch die Instagram-Kanäle dieser Welt klickt, dann versteht man schnell was uns an der Landschaftsfotografie anzieht. Es ist das Außergewöhnliche, beeindruckende Landschaften, hohe Wasserfälle oder unglaubliche Bergwelten.
Und jetzt die gute Nachricht. Gerade hier in Österreich – also vor unserer Haustür – mangelt es nicht an solchen Plätzen. Hier besteht eher die Gefahr, dass was uns als alltäglich erscheint noch als außergewöhnlich wahr zu nehmen.

Spiegelsee – Schladming, Reiteralm

Tipp 2 – das richtige Licht

Auch mein nächster Tipp hat nur indirekt mit Fotografie zu tun, ist aber essentiell wenn es um beeindruckende Landschaftsaufnahmen geht – das richtige Licht, oder auch die richtige Tageszeit. Klar ist es mühsamer sich früh morgens, noch bevor die Sonne aufgeht, auf den Weg zu machen um rechtzeitig zum besten Licht fotografieren zu können. Oder spät Abends – alleine auf einem Berg auf den Sonnenuntergang zu warten. Aber nur zu diesen Zeiten entstehen atemberaubende Landschaftsfotos. Da hilft auch keine – noch so gute – Nachbearbeitung oder Retusche in Lightroom, Photoshop und Co.

Kitzeck im Sausal kurz vor Sonnenuntergang

Tipp 3 – das richtige Wetter

Wenn du das perfekte Wetter für deinen Strandurlaub beschreiben solltest, würde es wahrscheinlich so klingen. Sonnenschein und strahlend blauer Himmel, ohne das kleinste Wölkchen… Nicht so in der Landschaftsfotografie. Strahlend blauer Himmel ist – nun ja – langweilig. Bei solchen Bedingungen ist es besser, sich mit einem guten Buch in einen Liegestuhl zu legen und das Wetter zu genießen. Als Fotograf wünscht man sich Wolken! Natürlich keinen komplett bedeckten Himmel, aber eben Wolken – gerne auch viele. Alles spannender als nur blauer Himmel.

Wolken über Graz kurz nach Sonnenuntergang

Tipp 4 – Stative sind ein absolutes Muss

Einer der wesentlichsten Ausrüstungsgegenstände für einen Landschaftsfotografen ist das Stativ. Und während für den Transport ein leichtes, handliches Stativ zu bevorzugen ist, so gilt jedoch, je stabiler dein Stativ ist, umso besser. Gerne werden Stative auch noch mit Sandsäcken beschwert, um auch bei stärkerem Wind verwicklungsfreie Bilder machen zu können.

Bonustipp:

Viele Stativ haben einen vormontierten oder optionalen Haken. Dort kannst du deinen Fotorucksack oder deine Fototasche aufhängen und damit nicht nur für Ordnung sorgen, sondern auch dein Stativ beschweren und damit stabilisieren.

Langzeitbelichtungen – ohne Stativ undenkbar

Tipp 5 – Blende und Hyperfokaldistanz

Auch wenn das jetzt so technisch klingt, dass du am liebsten gar nicht mehr weiterlesen würdest, solltest du es trotzdem tun. Ich werde dir die beiden Begriffe, deren Zusammenhang und Sinn ganz einfach und verständlich erklären. Was du davon hast? Super scharfe Fotos!

Im Normalfall tust du folgendes. Du stellst eine Blende ein (irgendwas zwischen f8 unf f16), fokussierst mit dem Autofokus deiner Kamera irgendeinen kontrastreichen Punkt in der Entfernung und drückst ab – fertig. Und natürlich bekommst du ein scharfes Bild. Aber bestimmt hast du schon mal Fotos gesehen, bei denen du dich gefragt hast, warum diese schärfer wirken als deine Aufnahmen. Wenn das so ist, dann solltest du die Sache mit der Hyperfokaldistanz mal ausprobieren…

Die Hyperfokaldistanz ist eigentlich nichts anderes, als die Distanz zu jenem Punkt auf den du bei einer bestimmten Blende fokussieren solltest, damit alle weiter entfernten Punkte noch in einer akzeptablen Schärfe abgebildet werden. Dabei spielt natürlich die gewählte Blende eine entscheidende Rolle.

falscher Hyperfokalabstand – das Bild wirkt scharf, aber wirklich scharf sind nur die Bäume nicht die Burg… in diesem Fall die Burg Rabenstein bei Frohnleiten

Beispiel

Ein kleines Beispiel gefällig? Gerne!
Du hast deine Kamera aufgestellt und einen markanten Punkt fokussiert. Jetzt solltest du die Entfernung zu diesem fokussierten Punkt abschätzen (gerne auch messen, aber das geht – mir zumindest – entschieden zu weit).
Mithilfe einer App kannst du nun berechnen lassen, welche Blende unter den genannten vorgaben für das schärfste Bild sorgen wird. Achte dabei darauf, dass es einen Unterschied zwischen Vollformatkameras und Kameras mit Cropfaktor gibt.

There’s an App for that…

An dieser Stelle möchte ich dir „PhotoBuddy“ (iOS €2,29 – Stand 09/18) oder „FocusFinder Schärfentiefe (iOS €1,99 – Stand 09/18) ans Herz legen. Natürlich wird es auch etliche andere solcher Apps geben, aber ich verwende diese beiden und habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht.

Bonustipp

Wenn du gegen die Sonne fotografierst ist es wichtiger, die Sonnenstrahlen im Bild festzuhalten. Das erreichst du am besten mit Blende f22! Die Hyperfokaldistanz ist in diesem Fall nicht so entscheidend, da durch das Fotografieren gegen das Licht ohnehin mit einem „flaueren“ Bild zu rechnen ist.

richtiger Hyperfokalabstand für die verwendete Blende – das Bild ist durchgängig scharf – hier die Herzerlstraße 

Tipp 6 – Die Drittelregel

Das Anwenden der Drittelregel ist eigentlich ganz einfach. Wenn du beispielsweise einen spannenden Himmel mit vom Sonnenuntergang in den schönsten Farben gefärbten Wolken hast und einen eher langweiligen Vorder- bzw. Mittelgrund, dann besteht dein Bild zu 2/3 aus Himmel und zu 1/3 aus eben diesem Vordergrund.
Ist es umgekehrt, hast du also einen spannenden Vordergrund und einen eher langweiligen Himmel, dann besteht dein Bild natürlich aus 2/3 Vordergrund und nur zu 1/3 aus Himmel. Einfach, oder!?

Bonustipp

Fast alle gängigen Kameras (inkl. iPhone & Co) bieten die Möglichkeit die Drittellinien einzublenden und erleichtern dir so die Bildkomposition gerade am Anfang extrem!

1/3 Wald 2/3 Spiegelung. Auch der Holzpflock ist nicht in der Mitte des Bildes sondern im „Drittel“ – aufgenommen am Leopoldsteinersee 

Tipp 7 – Verwendung von Filtern

Wie du wahrscheinlich weißt, gibt es viele verschiedene Filter in ganz unterschiedlichen Preisklassen. Von UV über ND bis hin zu Verlaufs- und Polfiltern reicht die Palette. Aber was brauchst du wirklich.
Eingefleischte Landschaftsfotografen werden mich für das was ich jetzt sage verfluchen, aber was soll ich sagen – es ist einfach so. Und zwar gehts um Verlaufsfilter.

Verlaufsfilter:

Diese sorgen dafür, dass durch einen vor dem Objekt angebrachten Glasfilter mit unterschiedlichen Hell/Dunkel-Verläufen der Himmel oben abgedunkelt und Richtung Horizont verlaufend heller wird. Das mach ich definitiv in Lightroom! Warum? Ganz einfach. Ich hätte diesen Effekt zwar gerne auf dem Himmel, aber nicht auf Objekten die näher an der Kamera dran sind, aber eben in den Himmel ragen. Das geht mit Verlaufsfiltern nicht! Im Lightroom ist das schnell gemacht UND solche Objekte die nicht vom Verlauf betroffen sein sollen, können ausmaskiert werden! TOP!

ND-Filter:

Wenn du bei Tageslicht lange Belichtungszeiten erreichen möchtest, musst du deiner Kamera vorgaukeln, dass es dunkler ist. Das machst du mit ND- bzw. Graufiltern. Diese werden vor das Objektiv geschraubt oder geschoben und wirken wie eine Sonnenbrille für deine Kamera. Wenn du mehr dazu erfahren möchtest – ich habe einen eigenen Blogartikel über ND-Filter geschrieben. — hier gehts zum Artikel —

Polfilter:

Polfilter reduzieren vereinfacht gesagt Spiegelungen. Wenn du also durch Wasser oder Glas (wobei zweiteres in Landschaften eher selten vorkommt) fotografieren möchtest und das OHNE Spiegelungen, dann solltest du über einen Polfilter nachdenken.

UV-Filter:

Diese werden eingesetzt, um durch UV-Strahlen bedingte chromatische Aberrationen zu reduzieren. Deine Fotos gewinnen an Kontrast und Schärfe. Bei dieser Art von Filtern ändern sich die Kameraeinstellungen nicht. Ich für meinen Teil nutze diese UV-Filter nicht.

ND Filter ermöglichen lange Belichtungszeiten bei Tageslicht

Tipp 8 – das richtige Objektiv

Die Bilder, die wir uns im Allgemeinen unter Landschaftsfotos vorstellen, werden mit Weitwinkelobjektiven erstellt. Dazu zählen alle Objektive, deren Brennweite unter 50mm liegt. Ich selber mag Brennweiten zwischen 10 und 24mm am liebsten. Dadurch lässt sich nicht nur eine großer Ausschnitt des Bildes ablichten, sondern Weite und Tiefe der Landschaften werden dadurch optimal ins Foto übersetzt.

Bonustipp

Achtung! In diesen geringen Brennweiten gibt es auch oft sogenannte Fischaugen-Objektive. Diese haben den „Nachteil“, dass die Kanten starke verzerrt dargestellt werden.

mit einem Weitwinkelobejktiv fotografieren – das Eegebnis folgt weiter unten…

Tipp 9 – Vordergrund*

Gerade wenn du mit Weitwinkelobjektiven fotografierst, solltest du darauf achten, einen Vordergrund im Bild zu haben. Dabei kann es sich um einen großen Stein, um Gräser oder andere Objekte handeln. Dieser Vordergrund sorgt für ein spannenderes Bild und verleiht ihm zusätzliche Tiefe.

Bonustipp

Da die meisten Weitwinkelobjektive einen geringen Mindestfokusabstand haben kannst du sehr nah an diese Vordergrundobjekte heran gehen.

Die Steine im Vordergrund führen uns ins Bild und verstärken die gewünschte Bildwirkung.

Tipp 10 – außergewöhnliche Perspektiven

In den meisten Fällen ist der „normale“ Blickwinkel aus Augenhöhe langweilig. Ein sehr tiefer oder auch hoher Standpunkt wirkt hingegen spannend und interessant. Aus diesem Grund mögen wir zum Beispiel Aufnahmen die mit Drohnen gemacht werden, da diese nicht unserem gewohnten Blickwinkel entsprechen. Vergiss also nicht, die Perspektive als wichtigen Teil deiner Bildkomposition einzusetzen.

für außergewöhnliche Perspektiven muss man manchmal einige Strapazen auf sich nehmen 😉 

Das waren meine 10 Top-Tipps für die Landschaftsfotografie, die dafür sorgen werden, dass deine Landschaftsaufnahmen zu kleinen Meisterwerken werden!

Viel Spaß beim Ausprobieren!
Christian

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