Hey Leute,

heute gibts mal wieder was neues aus meiner Fototipps-Kiste – und zwar zum Thema Nachaufnahmen. Ganz konkret geht es um dieses Bild, das ich gestern Abend fotografiert habe.

Uhrtum@night

In diesem Beitrag nehm ich euch mit auf meine „Reise“ zu diesem Foto und erklär euch angefangen vom Ziel das ich bei diesem Shooting hatte, über die Erstellung, meine „Fehlversuche“ und deren Gründe, bis hin zur Rawentwicklung alles Wissenswerte. Los gehts!

das Ziel:

Mein Ziel war es, die Dämmerung über dem Grazer Schlossberg festzuhalten. Dabei war mir wichtig, dass es noch nicht ganz finster ist, die Beleuchtung aber schon eingeschaltet ist. Damit hatte ich nämlich – eigens für dieses Tutorial – etwas spezielles vor. Ich wollte, dass alle Lichter diesen schönen Sterneffekt bekommen – und zwar OHNE Photoshop… Den Vordergrund wollte ich so dunkel wie möglich haben, damit nichts von meinem eigentlichen Motiv – dem Uhrturm – ablenkt.

die Technik:

Damit meine ich die Ausrüstung und Einstellungen die ich für dieses Foto verwendet habe. Erst einmal möchte ich euch die Einstellungen für mein Endergebnis verraten, möchte aber nicht verschweigen, das das durchaus ein schönes Stück Arbeit war und einige Fehlversuche mit dabei waren, bis ich das Bild so im Kasten hatte, wie ich es auch in meinem Kopf hatte.

makingof_Uhrturm

Wie ihr im Bild seht, war der Aufbau nicht sonderlich aufregend. Genau genommen ist sogar das Wort „Aufbau“ eine ziemliche Übertreibung, aber wie dem auch sei, ich hab natürlich ein Stativ verwendet, ein 35mm f1.8 Objektiv (Festbrennweite) und einen Kabelauslöser. Letzterer ist allerdings nicht zwingend notwendig, das geht natürlich auch mit Selbstauslöser. Wichtig ist nur, das ihr bei so langen Belichtungszeiten darauf Rücksicht nehmt, jegliche Art von Erschütterungen zu vermeiden.

Manueller Modus, ISO 100, Blende 22, 25 Sekunden Belichtungszeit

Jetzt aber der Reihe nach: Fangen wir mal mit der ISO an. Ich fotografiere mit Stativ, das bedeutet die Belichtungszeit ist mir nicht nur egal, ich weiß sogar schon vorher, das es eher länger werden wird. Daher möchte ich die bestmögliche Bildqualität (so wenig Rauschen wie möglich) und die hab ich eben bei ISO 100. Sollte eure Kamera als kleinsten Wert ISO 200 haben, nehmt einfach den 😉

Warum aber ausgerechnet Blende 22? Ihr habt recht, das Bild wäre auch mit einer wesentlich offeneren Blende (kleiner Blendenzahl) scharf geworden. Blende 22 hab ich aus einem einzigen Grund gewählt – der Sterneffekt an den Lichtern. Denn wenn ihr mit Blende 22 fotografiert, sorgt die Stellung der Lamellen eurer Blende dafür, dass dieser Sterneffekt entsteht. Das funktioniert auch schon mit Blende 16, aber bei dieser Linse wird’s mit Blende 22 eben schöner – zumindest für meinen Geschmack. Wenn ihr jetzt sagt, genau diese Sterne stören mich – kein Problem – einfach offenblendiger fotografieren und fertig 😉

Jetzt fehlt uns nur noch die Belichtungszeit. Wie schon gesagt, war dieses Bild mein Endergebnis, also eines der letzten meiner Serie und natürlich habe ich nicht gleich im manuellen Modus fotografiert. Ich hab, so wie ich das fast immer tue, im Modus „Zeitautomatik“ begonnen. Das bedeutet ich wußte ich will ISO 100, Blende 22 und die Belichtungszeit liefert dann die Kamera. Das Problem ist nur, dass durch die sehr unterschiedlichen Lichtverhältnisse meines Motives ein „richtig“ belichtetes Bild nicht zu dem gewünschten Ergebnis geführt hat, mir allerdings einen guten Richtwert liefern konnte. Dann hab ich nur noch ein bisschen mit der Belichtungsdauer gespielt (das geht in Kombination mit den beiden anderen Werten natürlich nur im Modus M) und fertig.

So, jetzt zeig ich euch mal mein erstes Foto im Modus A

DSC_0181

Also mal abgesehen davon, dass das Foto wesentlich schöner wäre, wenn zumindest der Uhrturm scharf wäre 😉 und der Bildausschnitt ziemlich zu wünschen über lässt, seht ihr, dass der Sterneffekt an den Lichter nur schwach zu erkennen ist, mir aber vor allem die weichen und verwischten Wolken fehlen. Grund dafür ist, das die korrekte Belichtung im Modus A bereits nach 6 Sekunden erreicht war.

Als nächstes seht ihr meinen ersten manuellen Versuch – dazwischen lagen ungefähr 5 weitere Versuche im Modus A, die ich euch und mir an dieser Stelle gerne ersparen würde.

DSC_0182

Hier liegen wir bei den Einstellungen bei ISO 100, Blende 22 und 28 Sekunden. Der Bildausschnitt hat sich wesentlich verbessert, gut, näher zoomen geht mit einer Festbrennweite eben recht schlecht, nur an der Schärfe hapert es noch. Damit es auch da keinen Stress mehr gibt, hab ich mein Fokusmessfeld im Sucher mit meinen Cursortasten verschoben, bis es auf dem Uhrturm war.

So kam ich zu meinem Ergebnis – also wie ihr hier seht – fast

DSC_0184

Ich fand nämlich ursprünglich das Licht in der linken unteren Ecke spannend, hab aber dann bei der Bearbeitung festgestellt, das es nicht wirklich was für mein Bild tut, sondern ein etwas engerer Ausschnitt ein stärkeres Bild ausmachen würde.

Rawentwicklung

Viel musste ich in der Radentwicklung nicht machen. Neben dem Beschnitt und dem Schärfen (ihr wisst, Raw Dateien kommen ungeschält aus der Kamera) hab ich den Weißabgleich etwas korrigiert (das hätte ich natürlich auch gleich bei der Aufnahme machen können), die Lichter etwas abgedunkelt und die Tiefen etwas aufgehellt, dem Bild mit dem „Klarheit“ Regler mehr Kontrast in den Mitteltönen verpasst, die Dynamik erhöht und mit dem Sättigungsregler etwas gegengesteuert! Zum Schluss noch eine Vignette und fertig ist es.

Sollte euch mein Raw Workflow hierfür näher interessieren, schreibt es einfach in die Kommentare und ich werde ein kurzes Videotutorial dazu erstellen.

Ich hoffe ihr habt Lust bekommen auch mal wieder eine Nachtaufnahme zu probieren.

Viel Spaß und bis bald

Christian

2 Gedanken zu “+++ FOTOTIPPS – NACHTAUFNAHMEN +++”

  • Hallo Christian,
    tolles Bild und interessantes Tutorium. Hast du beim Weißabgleich eine manuelle Farbtemperatur eingestellt (nehme an eher niedrige Farbtemperatur?) oder eine der Kameragrundeinstellungen verwendet? GLG G

    • Hallo Gabriele,
      freut mich das dir das Bild und das Tutorial gefallen haben! Du hast natürlich recht, ich hab ganz vergessen den Weißabgleich zu erwähnen… Ja, es war manueller Weißabgleich, mit einer Farbtemperatur von ca. 5000° K.
      lg Christian

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