Teamcoaching
Gemeinsam besser werden
Vom Gewohnheitsbild zur
bewussten Bildentscheidung
Bei diesem Praxistag geht es nicht darum, möglichst viele Bilder zu machen. Es geht darum, die eigene fotografische Gewohnheit sichtbar zu machen, im Team gezielt daran zu arbeiten und danach ein bewussteres, klareres, anderes Bild zu fotografieren.
Jede Aufgabe wird deshalb in zwei Schritten fotografiert:
Bild A: Gewohnheitsbild - So fotografiere ich die Szene normalerweise.
Bild B: Verbesserungsbild - So fotografiere ich die Szene nach dem Input meines Teams bewusster.
Grundmethode für alle Teams
Jede:r Teilnehmer:in fotografiert eine Szene zuerst so, wie sie es normalerweise tun würde. Ohne lange Analyse, ohne zu viel Nachdenken. Dieses erste Bild zeigt die eigene fotografische Gewohnheit.
Danach wird das Bild gemeinsam im Team kurz am Kameradisplay betrachtet. Die Frage lautet nicht: „Ist das Bild gut oder schlecht?“, sondern: Was würde dein:e Teampartner:in anders machen. Diese:r gibt anschließend genau einen konkreten Verbesserungsvorschlag.
Danach wird die Szene noch einmal fotografiert. Wenn die ursprüngliche Situation nicht mehr da ist, wird ein sehr ähnliches Motiv gesucht. Wichtig ist der Vergleich zwischen Bild A und Bild B: Was wurde klarer? Was wurde ruhiger? Was wurde emotionaler? Was wurde stärker?
Allgemeine Vorgaben für alle Teams
Vor dem Fotografieren wird zuerst beobachtet. Wo ist das Licht? Was passiert im Hintergrund? Gibt es störende Ränder? Welche Bewegung könnte interessant werden? Ist die Umgebung wichtig oder lenkt sie nur ab?
Von guten Motiven sollen mehrere Varianten entstehen. Nicht das erste Bild ist automatisch das beste. Oft entsteht die stärkere Lösung erst durch einen anderen Abstand, einen ruhigeren Hintergrund, einen besseren Moment oder eine klarere Tonwertentscheidung.
Mehr Umgebung ist nur dann sinnvoll, wenn sie die Aussage verstärkt. Sonst gilt: näher ran, reduzieren, ordnen, warten oder den Standort verändern.
Vor dem Auslösen werden alle vier Bildränder geprüft. Angeschnittene Personen, helle Flecken, störende Schilder, unklare Linien oder leere Flächen ohne Funktion schwächen oft die Bildaussage.
Schwarz-Weiß wird schon beim Fotografieren mitgedacht: Was wird hell? Was wird dunkel? Wo soll das Auge zuerst landen? Welche Fläche trägt die Stimmung?
Ein Motiv allein reicht nicht. Es braucht Licht, Form, Moment, Spannung, Stimmung oder Bedeutung.
Warten ist Teil der Aufgabe. Gute Orte sollen nicht sofort wieder verlassen werden. Oft braucht eine Szene Zeit, bis der entscheidende Moment entsteht.
Bei allen Bildern soll die Emotion die bei dem/der Betrachter:in ausgelöst wird im Fokus stehen.
…und das sind die Teams
Das Kontrastkommando
Gerlinde und Ferdinand
Gerlinde bringt die formale Genauigkeit, Schatten und Tonwertklarheit ein, während Ferdinand für den menschlichen Moment, Atmosphäre und Lebendigkeit sorgt.
Die Pixelpoetinnen
Andrea F. und Roswitha
Andrea F. achtet auf Struktur, Bildaufbau und Emotion, während Roswitha den Blick für Gesten, Stimmung und leise Momente schärft.
Die Tonwertarchitekt:innen
Karin, Elisabeth und Gertrud
Karin sorgt für klare Komposition, Ränder und Tonwerte, Elisabeth bringt Menschen, Stadtraum und Kontext ein, und Gertrud hält das Team durch Beobachtung, Varianten und Emotionen den Bildern im Prozess.
und das sind die Aufgaben für die einzelnen Teams
Team 1: Das Kontrastkommando Gerlinde und Ferdinand
Das Ziel dieses Teams ist ein bewusster Austausch der Stärken: Ferdinand soll seine spontanen Straßenszenen klarer, formaler und reduzierter gestalten. Gerlinde soll ihre starken Formen stärker mit menschlicher Atmosphäre und lebendigen Momenten verbinden.
Aufgaben für Team 1
1. Bühne zuerst
Sucht zuerst einen starken Raum: Passage, Treppe, Glasfläche, Wand, Schatten oder Durchgang. Fotografiert ihn zuerst wie gewohnt. Danach wartet ihr auf eine Person, die diesen Raum aktiviert, und fotografiert neu.
2. Tonwertrolle
Fotografiert eine Person einmal dunkel vor hellem Hintergrund, einmal hell vor dunklem Hintergrund und einmal als Mittelton. Entscheidet danach, welche Tonwertrolle am klarsten funktioniert.
3. Der richtige Schritt
Wartet auf eine Person in Bewegung. Fotografiert zuerst intuitiv, danach mit genauerem Timing. Achtet auf Schritt, Haltung, Abstand zu Linien und Hintergrund.
4. Schattenrahmen
Nutzt Schatten als Rahmen, Begrenzung oder Verstärker einer Szene. Im Zweitbild soll der Schatten bewusster eingesetzt werden.
5. Raumgefühl
Fotografiert einen Ort ohne Person so, dass ein klares Gefühl entsteht: Enge, Ruhe, Kälte, Schutz, Spannung oder Einsamkeit.
6. Mensch groß
Fotografiert eine Person groß im Bild. Der Raum darf nur unterstützend wirken und nicht mit der Person konkurrieren.
7. Grafische Geste
Sucht eine klare menschliche Geste und setzt sie in eine grafische Umgebung: Wand, Linie, Schatten, Fenster, Treppe oder Türrahmen.
8. Lichtspur
Fotografiert Licht ohne Person so, dass es wie Hoffnung, Distanz, Spannung oder Erinnerung wirkt.
Abschlussaufgabe
Wählt am Ende drei Bildpaare aus und entscheidet gemeinsam, welches Bildpaar den größten Lernfortschritt zeigt.
Team 2: Die Pixelpoetinnen Andrea F. und Roswitha
Das Ziel dieses Teams ist, urbane Struktur und emotionale Beobachtung miteinander zu verbinden. Andrea soll ihre starke architektonische und grafische Wahrnehmung und ihre Stärke für emotionale Fotos einbringen, während Roswitha ihren klaren und strukturierten Blick für Gesten, Stimmungen und leise Momente mit Andrea teilt.
Aufgaben für Team 2
1. Die Geste
Fotografiert eine Szene erst dann, wenn eine klare Geste sichtbar ist: Hand, Blick, Haltung, Tragen, Warten, Greifen, Halten oder Innehalten.
2. Mensch und Werbung
Sucht eine Beziehung zwischen realer Person und Werbebild. Achtet auf Gegensatz, Ähnlichkeit, Blickrichtung, Ironie oder Spannung.
3. Verlassene Spuren
Fotografiert Dinge oder Orte, die auf Menschen hinweisen, ohne dass Menschen sichtbar sind: leerer Stuhl, Becher, Handschuh, Bank, Tasche, Schatten, Fahrrad oder geöffnete Tür.
4. Struktur und Geste
Sucht zuerst eine grafische Umgebung. Danach wartet ihr auf eine passende Geste oder Haltung im Bild.
5. Näher ran
Macht zuerst ein sicheres Bild aus Distanz. Danach fotografiert ihr eine nähere, klarere Version.
6. Mensch und Objekt
Fotografiert eine Person mit einem Objekt, das etwas erzählt: Kaffee, Eis, Tasche, Handy, Hundeleine, Fahrrad, Schirm oder Zeitung.
7. Stille Szene
Findet einen ruhigen Moment in einer belebten Umgebung. Die Stimmung soll wichtiger sein als die Aktion.
8. Stiller Bruch
Fotografiert ein kleines Element, das nicht ganz in die Umgebung passt und dadurch Spannung oder Stimmung erzeugt.
Abschlussaufgabe
Wählt drei Bildpaare aus, die eine klare menschliche oder atmosphärische Eigenheit zeigen.
Team 3: Die Tonwertarchitektinnen Karin, Elisabeth & Gertrud
Karin achtet im Team besonders auf Form, Ränder, Tonwerte, Komposition und klare Bildordnung. Elisabeth achtet besonders auf Stadtraum, Kontext und urbane Struktur. Gertrud achtet besonders auf Emotionen, Beobachtung, Varianten, Dranbleiben und die bewusste Endauswahl.
Aufgaben für Team 3
1. Nah Mittel Weit
Fotografiert dieselbe Szene nah, mittel und weit. Entscheidet danach, welche Distanz die klarste Aussage erzeugt.
2. Hauptmotiv
Legt vor dem Fotografieren fest: Was ist Hauptmotiv, was ist Nebenelement, was ist Störung?
3. Umgebung erzählt
Lasst nur Umgebung im Bild, die wirklich etwas zur Aussage beiträgt. Alles andere muss reduziert werden.
4. Fünf Lösungen
Fotografiert ein Motiv auf fünf verschiedene Arten: frontal, seitlich, enger, weiter und mit anderer Tonwertidee.
5. Leere
Fotografiert einen leeren Ort so, dass Leere eine Stimmung bekommt: Warten, Ruhe, Distanz, Einsamkeit oder Stillstand.
6. Tonwertordnung
Bestimmt vor dem Auslösen: hellste wichtige Stelle, dunkelste wichtige Stelle und erster Blickpunkt.
7. Tonwertstimmung
Fotografiert ein Motiv so, dass Tonwerte Stimmung erzeugen: hell und offen, dunkel und dicht oder mitteltönig und still.
8. Bildsatz
Formuliert vor jedem Bild: „Dieses Bild handelt von …“ Erst dann wird fotografiert.
Abschlussaufgabe
Jede Person wählt drei Bildpaare aus. Danach reduziert das Team gemeinsam auf fünf starke Bildpaare.
Bildauswahl am Ende
Am Ende sc tickt jedes Team nicht nur Einzelbilder, sondern Bildpaare. Dadurch wird sichtbar, wie aus dem Gewohnheitsbild durch bewussten Input ein stärkeres Bild entstehen kann.
Jedes Team schickt je Aufgabe und Person jeweils:
Ein Erstbild und ein verbessertes Zweitbild
und zusätzlich:
Das Bildpaar mit dem größter Lernfortschritt jeder Person
Das Bildpaar, bei dem der Unterschied zwischen Gewohnheitsbild und Verbesserungsbild am deutlichsten ist.
Zu jedem gezeigten Bildpaar beantwortet das Team kurz:
Was war die ursprüngliche Bildidee?
Was war im Erstbild schon gut?
Was war im Erstbild noch unklar?
Welchen konkreten Input gab das Team?
Was wurde im Zweitbild verbessert?
Welche Version wirkt stärker – und warum?
Was nehmen wir daraus für die nächsten Bilder mit?